Umsatzsteuerrechtliche Behandlung: unternehmenseigene Kantine

So werden Essensmarken in der unternehmenseigenen Kantine umsatzsteuerrechtlich behandelt

Der Arbeitgeber gibt üblicherweise entweder unentgeltlich oder verbilligt arbeitstäglich Mahlzeiten in der unternehmenseigenen Kantine an seine Arbeitnehmer ab. Ist der Arbeitnehmer z.B. durch Krankheit oder Urlaub abwesend, erhält er keinen höheren Barlohn anstatt des Sachbezugs. Deswegen werden die unentgeltlichen oder verbilligten Mahlzeiten üblicherweise nicht als ein Lohnbestandteil oder Deputat gewertet. (s.a. Hartz u.a., ABC-Führer Lohnsteuer, Mahlzeiten Rz. 42, Loseblatt).

§ 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 des Umsatzsteuergesetzes besagt, dass eine sonstige Leistung nach § 3 Abs. 9 Satz 1 UStG steuerbar ist, wenn der Arbeitgeber diese aufgrund des Dienstverhältnisses an seine Arbeitnehmer oder deren Angehörige gegen ein besonders berechnetes, aber verbilligtes Entgelt ausführt. Eine solche entgeltliche Leistung liegt dann vor, wenn für die Leistung von Arbeitgeberseite ein unmittelbarer Anspruch an den einzelnen Arbeitnehmer auf eine Geldzahlung oder eine andere Gegenleistung in Geldeswert besteht, die keine Arbeitsleistung ist.

In § 10 Abs. 1 Sätze 1 und 2 UStG ist die Ermittlung der Bemessungsgrundlage für diese entgeltlichen sonstigen Leistungen am Arbeitnehmer geregelt. Hierbei ist die Vorschrift über die Mindestbemessungsgrundlage zu berücksichtigen (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 UStG). Nach ihr muss als Bemessungsgrundlage mindestens der Wert, der in § 10 Abs. 4 UStG bezeichnet ist, abzüglich der Umsatzsteuer angesetzt werden, sollte dieser den Betrag übersteigen, den der Arbeitnehmer tatsächlich aufgewendet hat (abzüglich der Umsatzsteuer.) Der Höchstbetrag muss als Umsatz mit dem marktüblichen Entgelt bewertet werden.

Laut Abschn. 1.8 Abs. 8 Satz 2 in Verbindung mit Abschn. 1.8 Abs. 11 Satz 2 UStAE muss der in § 10 Abs. 4 Nr. 3 UStG vorgeschriebene Wert als mindestens der lohnsteuerrechtliche Sachbezugswert angesetzt werden. Dieser lohnsteuerlich Wert entspricht dem Sachbezugswert der Mahlzeit und muss in diesem Fall als Bruttowert angesehen werden. Die Umsatzsteuer wird aus diesem Wert herausgerechnet.

⇒ Beispiel (siehe auch Punkt 3.1)
Eine Essensmarke kostet den Arbeitnehmer 2 €. Dafür erhält er ein Mittagessen im Wert von 4 €.

Sachbezugswert Mittagessen 2019

3,30 €

- Zahlung des Arbeitnehmers

2,00 €

= geldwerter Vorteil

1,30 €

Verrechnungswert der Essensmarke

2,00 €


⇒ Nach § 3 Abs. 9 des Umsatzsteuergesetzes handelt es sich hierbei um eine steuerbare und steuerpflichtige sonstige Leistung.

⇒ Nach § 10 Abs. 1 Sätze 1 und 2 UStG ist das Entgelt abzüglich der Umsatzsteuer als Bemessungsgrundlage anzusetzen:

Zahlung des Arbeitnehmers

2,00 €

- 19 % Umsatzsteuer

0,38 €

= Bemessungsgrundlage

1,62 €


⇒ Nach § 10 Abs. 5 Nr. 2 i.V.m. Abs. 4 Nr. 3 UStG ist der Sachbzugswert abzüglich der Umsatzsteuer als Mindestbemessungsgrundlage anzusetzen

Sachbezugswert Mittagessen

3,30 €

- 19 % Umsatzsteuer

0,63 €

= Mindestbemessungsgrundlage

2,67 €


⇒ Beispiel
Eine Essensmarke kostet den Arbeitnehmer 4 €. Dafür erhält er ein Mittagessen im Wert von 5 €

⇒ Lösung

Sachbezugswert Mittagessen 2019

3,30 €

- Zahlung des Arbeitnehmers

4,00 €

Geldwerter Vorteil

0,00 €

Verrechnungswert der Essensmarke

4,00 €


⇒ Da der Arbeitnehmer einen Betrag bezahlt hat, der gleich oder mehr als der amtliche Sachbezugswert ist, entfällt die lohnsteuerliche Erfassung der Mahlzeit.

⇒ Nach § 3 Abs. 9 UStG handelt es sich aber hierbei um eine steuerbare und steuerpflichtige sonstige Leistung.

⇒ Nach § 10 Abs. 1 Sätze 1 und 2 UStG ist das Entgelt abzüglich der Umsatzsteuer als Bemessungsgrundlage anzusetzen:

Zahlung des Arbeitnehmers

4,00 €

- 19 % Umsatzsteuer

0,76 €

= Bemessungsgrundlage

3,24 €


⇒ Da die Mindestbemessungsgrundlage geringer ist, braucht sie nach § 10 Abs. 5 Nr. 2 i.V.m. Abs. 4 Nr. 3 UStG nicht berücksichtigt werden.

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